Der Schleier

Die Charakteristiken des Schleiers und des darauf erkennbaren Bildes sind einzigartig. Der Schleier ist 17,5 cm breit und 24 cm lang (ursprünglich war er aber größer, wie in der Relatione nachzulesen ist; wir wissen aber nicht, wie viel größer), wurde aus feinem Garn hergestellt (wenn das Gewebe auch einige Webfehler aufweist); die Fäden sind ca. einen Millimeter dick; der Abstand zwischen ihnen beträgt ca. zwei Millimeter; die Farbe ist ein Goldbraunton, je nachdem, aus welcher Perspektive man es betrachtet, und es ist transparent. Aufgrund seiner Farbe und hauchzarten Beschaffenheit hat man die Hypothese aufgestellt, dass das Tuch aus Byssus (Muschelseide) hergestellt wurde; einem Stoff, der aus der Steckmuschel gewonnen wird. Er hat eine ähnliche Leuchtkraft wie Seide, greift sich auch fast wie Seide an und ist ebenso leicht. Diese Hypothese wurde 2004 von Chiara Vigo aufgestellt (einer der letzten Weberinnen, die noch mit diesem Material arbeiten), aber bisher nicht bestätigt. Eine endgültige Antwort könnte nicht nur die direkte Tastuntersuchung geben (derzeit nicht möglich, da der Schleier zwischen zwei Glasscheiben eingeschlossen ist), sondern auch entsprechende morphologische und strukturelle Untersuchungen.

Auf dem Schleier ist ein Antlitz mit hoher Stirn erkennbar; die Haare reichen bis auf die Schultern; der Mann trägt einen Oberlippenbart und zwei Bartsträhnen, die das Kinn einrahmen. Die Augen blicken leicht nach oben, so dass man das Weiße des Augapfels unter der Pupille erkennen kann. Das Antlitz ist nicht erkennbar, wenn man den Schleier gegen das Licht betrachtet, sondern erst, wenn man es auf einen Untergrund legt. Merkwürdigerweise erscheint das Bild spiegelbildlich; es hat überall dieselbe Farbintensität, ganz gleich, ob man es von vorne oder hinten betrachtet. Kurzum: es verhält sich wie der Positivabdruck eines Fotos. Das Antlitz ist eindeutig asymmetrisch. Eine Seite ist deutlich angeschwollen, besonders im Mund- und Nasenbereich. Man kann rötliche Flecken erkennen, die Blutflecken sein könnten. Diese Flecken sind zweidimensional und haben keinen Bezug zum Gesichtsrelief.

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